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Psiram: Botschaften aus dem rechtsfreien Raum

admin @, Montag, 14. März 2016, 16:58 (vor 406 Tagen) @ gast1

Quelle: Pandora-Website

10.03.2016
Psiram.com - Webbotschaften ĂŒber die Harmlosigkeit des Mobilfunks aus dem rechtsfreien Raum
Eine Dokumentation

Franz Adlkofer

Zusammenfassung

Wenn es nach der Website Psiram.com (frĂŒher EsoWatch) geht, welche sich nach eigenem Bekunden dem kritischen Verbraucherschutz verpflichtet sieht, beruhen die Forschungsergebnisse, die auf gesundheitliche Risiken der Mobilfunkstrahlung hinweisen, entsprechend einem Wiki zu Elektrosmog durchwegs auf Quacksalberei, TĂ€uschung oder Scharlatanerie. In dem Kapitel „Umstrittene Studien“ wurde auch die von 2000 bis 2004 von 12 Arbeitsgruppen aus 7 europĂ€ischen LĂ€ndern unter meiner Leitung im Rahmen des 5. EU-Forschungsprogramms durchgefĂŒhrte REFLEX-Studie, die der Mobilfunkstrahlung ein krebsverursachendes Potenzial bescheinigt hatte, als „umstritten“ dargestellt. In drei BeitrĂ€gen mit unterschiedlichen Titeln wurde dabei wiederholt, was Professor Alexander Lerchl von der privaten Jacobs University in Bremen seit 2008 behauptet, dass die Ergebnisse gefĂ€lscht seien. Dass er wegen dieser Unterstellung im FrĂŒhjahr 2015 vom Landgericht Hamburg rechtskrĂ€ftig und strafbewehrt auf Unterlassung verurteilt wurde, ist allerdings nirgendwo zu lesen.

Auf der Grundlage dieses Urteils wurde Alexander Lerchl von der Anwaltskanzlei, die das Urteil erstritten hatte, aufgefordert, die mit von ihm stammenden BeitrĂ€ge aus dem Elektrosmog-Wiki zurĂŒckzuziehen. In seinem Antwortschreiben behauptete Alexander Lerchl, dass die BeitrĂ€ge nicht von ihm stammten, er von ihrer Existenz bis jetzt auch keine Kenntnis gehabt habe, aber trotzdem Psiram um Löschung der angegriffenen Stellen gebeten habe. Die Abgabe einer eidesstattlichen ErklĂ€rung, dass zwischen ihm und den Autoren der BeitrĂ€ge keinerlei Beziehung bestehe, verweigerte er. Von Psiram erfuhr er, dass man die BeitrĂ€ge zwar nicht zurĂŒcknehmen werde, auch wenn er sich mit seinen Äußerungen vielleicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt habe. Er selbst könne aber trotzdem ganz unbesorgt sein, da er mit der Bitte um Löschung seiner ihm vom Gericht auferlegten Verpflichtung vollumfĂ€nglich nachgekommen sei. Diese Information löste bei Alexander Lerchl offensichtlich einen euphorischen Stimmungsumschwung aus, der sich auch in einer geĂ€nderten Tonlage der Anwaltskanzlei gegenĂŒber bemerkbar machte.

Da Psiram Alexander Lerchls Geschichte ungeprĂŒft ĂŒbernommen und verbreitet hatte, obwohl diesem die Verbreitung gerichtlich untersagt war, wandte sich die Anwaltskanzlei ĂŒber Alexander Lerchls Mail-Zugang direkt an Psiram. Sie wies darauf hin, dass die im Elektrosmog-Wiki aufgestellten Behauptungen samt und sonders falsch und darĂŒber hinaus ehrverletzend seien. Sie forderte Psiram auf, die betreffenden BeitrĂ€ge aber auch deshalb zu löschen, weil sie in der veröffentlichten Form einschließlich ihrer Verlinkungen ohne hinreichende Grundlage seien. Wenn Psiram, wie es vorgebe, die Wissenschaft gegen Pseudowissenschaft tatsĂ€chlich verteidigen wolle, könne es diesen Willen durch Löschung der entsprechenden Texte jetzt unter Beweis stellen. Psiram bat sich auf dieses Schreiben hin im Hinblick auf die Schwierigkeit der Materie Bedenkzeit aus. WĂ€hrend dieser musste es offensichtlich feststellen, dass ihm das Quellenmaterial, auf das es seine FĂ€lschungsgeschichte stĂŒtzte, inzwischen abhandengekommen war. Ohne jede weitere BegrĂŒndung löschte es zumindest die beiden wichtigsten der drei die REFLX-Studie diskriminierenden BeitrĂ€ge.

Der dritte und ungelöschte Beitrag befasst sich mit einer Doktorarbeit an der CharitĂ© in Berlin, die Alexander Lerchl offenbar als Teil der REFLEX-Studie angesehen hatte, was sie aber nicht war, und die er ebenfalls als gefĂ€lscht dargestellt hatte, was sie auch nicht war. Wie Psiram auf diese Information reagieren wird, die es durch RĂŒcksprache mit der CharitĂ© jederzeit ĂŒberprĂŒfen kann, bleibt abzuwarten. Psiram wollte von der Anwaltskanzlei wissen, ob es fĂŒr die im Zusammenhang mit der REFLEX-Studie behauptete UrkundenfĂ€lschung an der Medizinischen UniversitĂ€t Wien ein rechtskrĂ€ftiges Urteil gibt. Dieser Tatbestand wurde 2014 dem Landgericht Hamburg unter Beweisantritt vorgetragen und von der Gegenseite nicht in Abrede gestellt, spielte aber bei der Urteilsfindung keine Rolle. Psirams Entscheidung, die verleumderischen REFLEX-Berichte zu löschen, zeigt zumindest, dass es sich Argumenten, die eindeutig belegen, dass es sich entweder selbst getĂ€uscht hat oder von seinen Autoren getĂ€uscht worden ist, nicht grundsĂ€tzlich verschließt. Ob es jedoch deshalb mehr Opfer als TĂ€ter ist, ist unter BerĂŒcksichtigung eines einzelnen Falles wie dem vorliegenden nicht zu beantworten.

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Tags:
Adlkofer, Pandora, REFLEX-Studie


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