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Zum Selbstplagiat

Wuff, Montag, 07. Mai 2012, 09:14 (vor 383 Tagen) @ Wuff

Vom Normalfall als Ausnahme (1)


Nachdem wir im letzten Beitrag gesehen haben, was die VerdĂŒnnungsstrategie zur Manipulation medizinischer Forschung ist, betrachten wir hier wie biologisch bedingte Besonderheiten von athermischen EMF-Wirkungen einerseits die EMF-Forschung erschweren und andererseits Manipulationen erleichtern, sowie was denn korrektes bzw. normales wissenschaftliches Verhalten unter diesen UmstĂ€nden sein könnte. Im nĂ€chsten Beitrag kommt es zur Sache, nĂ€mlich wie bzw. mit welchen Massnahmen die EMF-emittierenden Branchen die VerdĂŒnnungsstrategie vor dem Hintergrund der Besonderheiten umsetzen.


Wer sich nicht speziell dafĂŒr interessiert, kann diesen Ausflug in die Wissenschaftstheorie, der sich mit naturwissenschaftlichen Beweisen und Wahrheiten befasst, auch ĂŒberspringen.

Nach dem Wissenschaftstheoretiker Karl Popper http://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikationismus ist es im Prinzip nicht möglich, naturwissenschaftliche Theorien definitiv zu beweisen, es ist aber möglich, Theorien durch Falsifikation zu widerlegen. Theorien können sich bewÀhren, sie können die Welt brauchbar beschreiben, bis sie widerlegt sind.

Gegen diese Regel pflegen die Wissenschaftler von Bioelectromagnetics zu verstossen. Allerdings machen die diffusen UmstÀnde eine Theoriebildung zu biologischen Effekten von schwachen EMF alles andere als einfach.

  • Die Symptome unter EMF-Exposition sind diffus: unspezifisch, subjektiv, mit zeitlichen Verzögerungen
  • Die Störgrössen sind ebenfalls diffus: EMF mit unterschiedlichsten Charakteristika und wohl auch Wirkmechanismen, in verĂ€nderlichem Mix und StĂ€rke
  • Die VorgĂ€nge im menschlichen Organismus sind extrem komplex und die Reaktionen sind inter- und intraindividuell verĂ€nderlich und unterschiedlich: Was fĂŒr den einen Patienten bzw. die eine Versuchsperson gilt, gilt fĂŒr den die andere nicht, und was am einen Tag fĂŒr eine Person gilt, kann am anderen Tag anders sein.

Diese diffusen UmstÀnde verleihen einerseits in der EMF-Forschung noch mehr als in den meisten anderen Teilen der Biologie der Statistik und ihrer richtigen Interpretation die dominierende Rolle, und sie verleiten andererseits zu unbewiesenen Behauptungen und Dogmen.

Auf welche Weise Statistik und VorwĂ€nde benutzt werden, um zu den gewĂŒnschten Folgerungen zu gelangen, zeigt folgender Ausschnitt aus einem Interview (Quelle: http://www.mobilebusiness.de/home/newsdetails/article/-88fa971448.html ):
Nießen:“ Es gibt nur wenige Studien, die wirklich ‚ergebnisoffen‘ an die Untersuchung der Problematik herangehen, und jegliche Art gesundheitlicher Auswirkungen in Betracht ziehen. Solche Studien sind (auch finanziell!) aufwendig. Viel einfacher (und billiger) sind Studien, die nur einen einzigen Endpunkt untersuchen (Wird durch Handytelefonieren die spezielle Hirntumorart Gliom xyz ausgelöst?) Meistens reicht die Anzahl der untersuchten Personen dann nicht fĂŒr ein statistisch signifikantes Ergebnis. Rein wissenschaftlich betrachtet lernt man aus einer solchen Studie praktisch gar nichts – das wissenschaftliche Ergebnis lautet weiterhin: ‚Wir wissen nicht, ob durch Handytelefonieren die spezielle Hirntumorart Gliom xyz ausgelöst wird‘. Der Pressebericht dazu lautet aber: ‚Kein Zusammenhang zwischen Handytelefonieren und Hirntumoren‘ “ )

Wie es anders auch geht, zeigt die privat finanzierte sog. Porsche-Studie http://www.salzburg.gv.at/abschlussbericht_gsm_endversion.pdf .

Nachdem fĂŒr die Naturwissenschaften im Allgemeinen Popper mit der Falsifikation beschrieben hat, wie es sein sollte, geht der Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn davon aus, wie die Wissenschaft wirklich funktioniert. Kuhn beschreibt, wie die (nicht genau definierte) Gemeinschaft der Wissenschaftler einer Disziplin fĂŒr diese zu Lehrmeinungen oder Paradigmen gelangen (im Fall von EMF lautet ein Paradigma, dass EMF keine athermischen gesundheitlichen Wirkungen haben), und unter welchen Bedingungen solche Lehrmeinungen umgestossen und durch andere ersetzt werden, bzw. wie ein Paradigmenwechsel stattfindet. Das erst 1962 geprĂ€gte Wort „Paradigmenwechsel“ wird auch im Alltag gerne gebraucht, und so ist es interessant einmal zu lesen, was es im Sinne des Erfinders wirklich bedeutet.

Zu Kuhns Beschreibung wissenschaftlicher Revolutionen:
http://www.statistik.lmu.de/~wiencierz/lehre/2009/2009%20WS%20WissTheo%20Seminar/Gerhar...
http://www.fk14.tu-dortmund.de/medien/ifpp/Philosophie/Beisbart/teaching/su2008/ps/ps9.pdf

Zum VerhÀltnis zwischen den Lehren von Popper und von Kuhn:
http://www.claus-beisbart.de/teaching/wi2011/popper/p12.pdf


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