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 Prof. Dr. Hecht - Die Natur der Rhythmen im menschlichen Leben

Die Natur der Rhythmen

im menschlichen Leben

- Chronowissenschaft und Psychobiologie der Zeit

aus ärztlicher Sicht -







Karl Hecht

emeritierter Professor der Humboldt-Universität zu Berlin / Klinikum Charité

Schlaf-, Stress-, Chrono-, Umwelt- und Raumfahrtmedizin

Institut für Psychosoziale Gesundheit GbR

Büxensteinallee 25, 12527 Berlin, Tel. + Fax: 030-674 89 325


1 10,5- und 21-Jahre-Rhythmen - zur bioaktiven Wirkung von geo- und kosmomagnetischen Feldern

Ein mehr als 20 Wissenschaften umfassendes internationales Forscherteam, unter Leitung des bekannten Chronobiologen Franz Halberg (Minnesota/USA), hat im Jahre 2000 und 2001 [2001a und b] Ergebnisse, die mittels retrospektiver Studien in verschiedensten Ländern erbracht worden sind, vorgestellt, die einen ca. 10,5- und 21-Jahres-Rhythmus nachwiesen. Diese Periodizitäten wurden an Hand von anthropologischen Parametern von Menschen (z. B. Geburtsgewicht, Geburtslänge (Größe) und Kopfumfang bei der Geburt) in Beziehung zu dem Rhythmus verstärkt auftretender Magnetstürme der Sonne (Sonneneruptionen) verifiziert [Halberg et al. 2001a und b, 2000].

1.1 Magnetstürme - Trigger für den Myocardinfarkt

Dieser Arbeit ist des weiteren zu entnehmen, dass die periodisch verstärkt auftretenden Magnetstürme der Sonne einen „Trigger“ für den Myocardinfarkt mit Beziehungen zur Herzfrequenzvariabilität darstellen und dass der menschliche Organismus Beziehungen zu geophysikalischen und kosmophysikalischen Einflüssen, insbesondere zum Magnetfeld der Erde (Magnetosphäre) hat.

Bisher wurden derartige Wirkungen auf den Menschen angezweifelt, weil geglaubt wurde, dass die relativ „schwachen“ Magnetfelder auf den Menschen nicht wirken. Wobei man davon ausging, dass die Reiz-Reaktionsbeziehungen des Menschen linear von der Reizstärke abhängen. Das ist ein großer Irrtum, weil es in der Physiologie eines Menschen derartige Reiz-Reaktionen nicht gibt Unter anderem soll in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten von Wiener [1948], Anochin [1967] u. a. verwiesen werden. Die Zweifler haben aber bisher auch chronobiologische Erkenntnisse ignoriert, zum Schaden des wissenschaftlichen Fortschritts. Der Nachweis der bioaktiven Wirkung von Magnetstürmen der Sonne hängt folglich von der verwendeten adäquaten Methodik und der physiologischen Konzeption ab, was Grundkenntnisse in diesen Fachgebieten voraussetzt.

1.2 10,5 Jahresrhythmus von Pathologien

Verfolgt man die einschlägige Literatur über die Magnetstürme der Letzten 70 Jahre, so findet man nicht wenige Ergebnisse von ernstzunehmenden Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, die einen Zusammenhang zwischen den zyklisch alle 10-11 Jahre verstärkt auftretenden Magnetstürmen und pathologischen Erscheinungen von Menschen nachgewiesen haben. Düll und Düll [1935, 1934] berichteten über Zusammenhänge zwischen Gesundheitszustand und „plötzlichen Eruptionen der Sonne“. Hierbei konnten sie feststellen, dass“ Krankheiten, die Beziehungen zum Gehirn“ haben, gehäuft zu diesen Zeiten der „aktiven Sonne“ auftreten. Des weiteren beobachteten Düll und Düll [1935, 1934], dass in dieser Zeit der vermehrten Magnetstürme der Sonne die Häufigkeit an Todesfällen zunahm. Auch wurden Häufigkeitsspitzen zu Zeiten der verstärkten Magnetstürme der Sonne bei Suiziden [Stoupel 1999; Düll, Düll 1934], bei epileptischen Anfällen [Halberg et al. 1991], bei Herzkreislaufbeschwerden insbesondere bei Myocardinfarkten [Mendoza 2000; Stoupel 1999; Strestik, Stav 1996; Breus et al. 1995; Villaresi et al. 1994a und b; Novikova 1969; Halberg et al. 1991; Lipa et al. 1976; Feinleib et al. 1975], bei Schlaganfällen [Feigin et al. 1997], bei Cholera [Chizhevski 1940], bei der Aufnahme von Patienten in psychiatrischen Kliniken [Friedman et al. 1963] und des veränderten Verhaltens von psychisch Kranken [Friedman et a. 1965] nachgewiesen.

Über verschiedene pathologische Erscheinungen, wie veränderte Befunde von biologischen und psychischen Parametern zu Zeiten verstärkter Magnetstürme liegen weitere Forschungsbefunde vor: Halberg [2001a und b, 2000], Breus et al. [1989], Mikuleck [1997], Roederer [1995], Vladimirski et al. [1995], Strestik und Prigancova [1986], Dubrow [1978], Feinleib et al. [1975], Gnevyshev et al. [1972], Barnwell [1960], Brown [1960], Brown et al. [1958, 1955].

Der Autor dieser Arbeit (K. Hecht) beobachtete im Herbst 1989 in Korrelation mit der in Berlin selten auftretenden Erscheinung eines Nordlichts bei 36 Schlafgestörten erhebliche Verstärkungen ihres Leidens. Die Patienten berichteten, dass sie von der Nacht des Nordlichts an, welches sie gar nicht wahrgenommen hatten, 2-4 schlaflose Nächte verbracht hätten. Diese Patienten, die in ständiger medizinischer Betreuung des unter meiner Leitung stehenden Schlaflabors der Berliner Charité waren, hatten in ihrer Anamnese einen sehr niedrigen Blutdruck, Wetterfühligkeit, zeitweise auftretende Erschöpfungs- und depressive Zustände sowie Antriebs- und Motivationsmangel zu verzeichnen.

Als Beispiele für die angeführten Beziehungen zwischen verstärktem Auftreten von Magnetstürmen der Sonne und Anstiegen der Häufigkeit von pathologischen Erscheinungen verschiedenster Art sollen folgende zwei angeführt werden.

In Abbildung 1 sind die von Düll und Düll [1934] erhobenen Befunde zur Mortalität von Kranken mit Hirnleiden und in Abbildung 2 die von Chizhevsky [1940] erhobenen Befunde zur Häufigkeit der Fälle von Cholera in den Jahren 1823-1923 in Moskau in Abhängigkeit von Magnetstürmen der Sonne dargestellt. Die Daten wurden von Halberg [2001] mit der Kreuzkorrelation bearbeitet und in Diagrammen dargestellt.

                       Superposed Epochs                        Crosscorrelation

1: Kreuzkorrelationen zwischen Magnetstürmen der sonne und der Mortalitätshäfigkeit der Daten von Düll und Düll, die von halberg et al. mit modernen Analyseverfahren bearbeitet worden sind [Halberg 2001b; Düll, Düll 1934]

                               Superposed Epochs                                   Crosscorrelation

Abbildung 2: Kreuzkorrelation zwischen Magnetstürmen der Sonne und Häufigkeit des Auftretens von Cholera in Moskau von 1823-1923. Die Daten von Chizhevsky wurden mit modernen Analyseverfahren bearbeitet [Halberg 2001b; Chizhevsky 1940]

Bisher wurde von vielen Medizinern eine Beziehung zwischen Auftreten von Pathologien des Menschen und Magnetstürmen der Sonne bestritten. Zugestanden wurde lediglich, dass Elektrostationen, Elektrizitätswerke usw. durch die Sonneneruptionen beeinflusst und sogar außer Funktion gesetzt werden können [Becker 1994].

Die vorgestellten Arbeiten belegen eindeutig, dass die kosmo- und geophysikalischen Erscheinungen auf den Menschen wirken können und solche Wirkungen auch nachweisbar sind, vor allem dann, wenn chronobiologisches Denken und Methodeninstrumentatium eingesetzt werden. Obgleich eine unerschöpfliche Anzahl an chronobiologischen Arbeiten weltweit vorliegt, verschießen sich viele Mediziner diesen neuen Erkenntnissen, die natürlich nicht zu den gegenwärtig vorhandenen statischen Denkschemata passen.

1.3 Rhythmische Lebensprozesse in Kommunikation mit den Frequenzen des Magnetfelds der Erde?

Das „normale“ Magnetfeld der Erde verfügt über folgende Komponenten in Impulsationen (Frequenzen). Erstens über das stationäre Feld, welches Tagesschwankungen unterliegt und einem zirkadianen Rhythmus folgt und zweitens die Mikropulsationen, bei denen es um Schwingungen geht, die im „extrem-low-frequency“-Bereich liegen und drittens um die Pulsationen des sichtbaren Lichts, welches im Milliarden-Hz-Bereich liegt [Becker 1994]. Das geomagnetische Feld und das Licht sind quasistationär ständig vorhanden und unterliegen entsprechenden Tagesschwankungen. Die „extrem-low-frequency“, also die Mikropulsationen, haben eine Frequenzbreite von ca. 1-30 Hz. Die größte Stärke dieser Pulsation liegt zwischen 7 und 12 Hz. Das ist aber der Frequenzbereich des Eigenrhythmus von Zellverbänden.

Es ist bekannt, dass vom Bakterium bis zum Säuger, vor allem aber bei Vögeln und Fischen Magnetsensoren (Kristalle) lebenswichtige Informationen der geomagnetischen Felder entnehmen können. Die Lebewesen haben sich im Laufe von mehreren Milliarden von Jahren auf das geomagnetische Feld eingestellt. Offensichtlich ist besonders bei den 8-12 Hz Frequenzen des Magnetfelds der Erde ein ähnlicher Prozess der Endogenisierung im Laufe der Evolution vor sich gegangen, wie beim zirkadianen Rhythmus [Halberg 2001a und b, 1960, 1953; Zulley, Knab 2000; Hildebrandt et al. 1998; Zulley 1994; Wever 1979, 1966; Hildebrandt 1972, 1962a, b und c; Aschoff 1959, 1955].

Obgleich bisher zu dieser Frage wenig Untersuchungen stattgefunden haben, wäre die Endogenisierung der Frequenzen der geomagnetischen Felder in menschlichen und tierischen Organismen durch den Eigenrhythmus vieler Funktionssysteme, z. B. der Zellmatrix, des Alpharhythmus von 8-12 Hz, zu erklären. Wenn man Vergleiche mit den Taktgebern des zirkadianen Rhythmus anstellt, könnte man annehmen, dass die Magnetosphäre eine gewisse Taktgeberfunktion für die biologischen Rhythmen darstellt bzw. dass unter normalen Bedingungen die Frequenzen des geomagnetischen Felds und die Eigenrhythmen im Frequenzbereich 8-12 Hz synchronisieren. Wenn stärkere Abweichungen bzw. Störungen durch Sonnenmagnetstürme wirksam werden, wird auch die Synchronisation (Resonanz) gestört und es ergeben sich Befindensstörungen, Verstärkung von pathologischen Prozessen usw. Falls sich dieses Erklärungsmodell durch weitere Untersuchungen bestätigen ließe, könnten auch die elektromagnetischen Felder, analog zu den Magnetstürmen der Sonne, als Störfaktor der Synchronisation des Menschen mit seinem Schutzschild, dem geomagnetischen Feld, betrachtet werden (Abbildung 3).

Unser Fazit: Wenn wir in der Umwelt des Menschen die geo- und kosmophysikalischen Wirkungen mit einbeziehen, und zwar unter chronobiologischen Aspekten, dann könnten wir möglicherweise unseren Denkhorizont beträchtlich zum Wohle der Menschen erweitern. Halberg et al. [2000] versuchen diesen Aspekt mit einem sehr originellen und übersichtlichen Strukturschema zu verdeutlichen. Auf eine Übersetzung wurde wegen der Unikalität dieses Schemas bewusst verzichtet (Abbildung 4).

Abbildung 3: 1: Die Anatomie eines typischen Magnetsturms. Je nach Art und Dauer der solaren Störung unterscheiden sich Magnetstürme vielfältig voneinander. Sie stören auch den Tagesrhythmus der magnetischen Feldstärke erheblich

2: Die Tagesschwankungen in der Stärke des Magnetfelds an einem bestimmten Punkt der Erde während einer Periode ruhiger Sonnenaktivität [nach Becker 1994]

4: Chronophysikalisch-chronobiologisches Übersichtsschema [Halberg et al. 2000]
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Funktionelle Rhythmen in morphoformen Substraten

Wasser kann bei Temperaturen unter 4°C vom flüssigen in den festen Aggregatzustand übergehen. Die Kristallgitter des festen Wassers (Eis) zeigen verschiedene rhythmische Änderungen, die mit verschiedenen Frequenzen vibrieren können. Bei zugefrorenen Gewässern kann man manchmal eigenartige, nicht unangenehme Geräusche wahrnehmen. Das Eis „singt“, heißt es in der volkstümlichen Art.

Alle natürlich vorkommende Wasser, z. B. Trinkwasser, See- und Flusswasser, stellt kein Destillat dar, sondern enthalten Mineralien und Ionen und somit elektrische Potentiale, die wiederum Schwingungen hervorrufen und als Informationsträger wirken können [Kausner 2001].

Brendl [2002] berichtete auf grund eigener Untersuchungen, dass die Wirkung von elektromagnetischen Feldern die elektrisch geladenen Teilchen des Wasser qualitativ und quantitativ beeinflussen kann. Er leitet davon mögliche rhythmische Eigenschaften des Wassers ab.

Der Menschliche Körper besteht bekanntlich zu einem großen Teil aus „Wasser“, d. h. aus Körperflüssigkeit (Blutserum, Urin, Lymphe, Verdauungssäfte, Liquor, Galle, Tränenflüssigkeit). Alle diese Flüssigkeiten haben kolloidalen Charakter.

Was ist eine kolloidale Flüssigkeit?

Als Kolloid werden Systeme bezeichnet, die Partikel von 1-300 nm ausweisen. Diese Partikel können Makromoleküle sein oder Aggregate kleinerer Moleküle. Kolloide zeichnen sich durch ausgeprägtes Adsorptionsvermögen aus, welches durch die physikalischen Oberflächenspannungskräfte der Teilchen gewährleistet wird. Dient Wasser als Dispersionsmittel, wird von hydrophilen und hydrophoben Kolloiden gesprochen.

Flüssige Kolloide werden Sole genannt, Kolloidgele sind relativ formbeständig und elastisch. Fibrilläre Eiweiße, wie Myosin und Fibrin, liegen in Gelform vor. Körperflüssigkeiten in Solform, hydophile Kolloide, z. B. die Eiweiße, verfügen über die Fähigkeit, Ausflockungen hydrophober Kolloide zu herhindern. Das ist eine biologische, kolloidale Schutzfunktion. Z. B. können dadurch wasserunlösliche Stoffe (z. B. Harnsäure, Cholesterin) im Plasma in der Galle und im Harn in feindispersem Zustand aufrecherhalten werden. [Rappoport 2000]

Die vielfältigen Eigenschaften des Kolloids, z. B. kolloidosmotischer Druck, Wechselwirkungen zu den Mineralsalzen und das Verhalten der Kolloide in elektrischen Feldern (das elektrische Potential der Kolloidoberfläche, ein negativ geladenes Potential, wird als „Zetapotential“ bezeichnet) bedingen ihren oszillierenden Charakter.

Den körpereigenen Kolloiden sehr adäquat sind kolloidale Mineralverbindungen, z. B. das hydrophobe Siliziumdioxyd und das solförmige Natriumchlorid. Das kolloidale Silizium bewirkt z. B. eine erhöhte Wasserverbindungsfähigkeit der Proteine, reguliert die Säure-Basen-Protein-Homöostase und verhindert die Dehydrierung des alternden Gewebes. Dabei verlaufen nachfolgend angeführte Wechselwirkungen [Kaufmann 1007; Fischer 1981; Scholl, Letters 1959].

Harnsteine mit Tagesrhythmusringen

Morphoforme Substrate (Lithiasis) können sich aus Körperflüssigkeiten bilden. Gallen- und Harnsteine sind am bekanntesten. Sie entstehen aus pathologischen Veränderungen der Körperflüssigkeit (genaue Ursachen sind noch unbekannt). Reflektieren sich in diesen „Steinen“ rhythmische Prozesse der funktionellen Rhythmen? Schneider [1985] untersuchte Harnsteine nach möglichen zirkadianen Rhythmen. Die Harnsteine zeigten, analog zu den Jahresringen der Bäume, Tagesringe. Folglich können sich funktionelle Rhythmen in morphoformen Substraten widerspiegeln

Abbildung 5: Tagesrhythmischer schichtiger Aufbau eines Harnsteins (Whewelit-Stein) [Schneider 1985]

Hildebrandt et al. gehen davon aus, dass das Wachstum der Harnsteine in der Nacht stattfindet. Diese Bildung von Harnkonkrementen führt zu den täglichen Schichtablagerungen. Hildebrandt et al. vertreten daher die Auffassung, dass „Harnsteinprophylaxe und -metaphylaxe besondere Maßnahmen zur Beeinflussung der tagesrhythmischen Schwankungen der harnsteinfördernden Substanzen verlangen“ [Hildebrandt et al. 1998].

Gesundheits- und Krankheitsdiagnostik mit außerhalb des Körpers dehydrierten Flüssigkeiten

Die russischen Ärzte und Wissenschaftler Vladimir Shabalin und Swetlana Shatokhina entwickelten eine Methode, mit der sich aus den rhythmischen morphoformen Strukturen von außerhalb des Körpers dehydrierten Flüssigkeiten physiologische und pathologische Zustände zu diagnostizieren vermögen [Shabalin, Shatokhina 2001, 2000, 1996; Shatokhina, Shabalin 1998].

Die Autoren gehen davon aus, dass unter bestimmten Umständen biologische Körperflüssigkeiten, wie Blutserum, Lymphe, Magensaft, Urin, Pankreassaft, Liquor, Galle, Tränenflüssigkeit auch zur biologischen Morphologie gezählt werden könnten, obgleich sie bisher diesbezüglich dieser nicht zugeordnet werden.

Eine spezielle Behandlungsmethode der Autoren, die sogenannte „Wedge-Shaped Dehydation“ vermag die morphoforme Struktur dieser Flüssigkeiten zu verifizieren. Ihre theoretischen, chronobiologisch orientierten Grundlagen können in diesem Rahmen nur kurz wie folgt skizziert werden.

Auf den allgemeinen Lehrsatz der Quantenmechanik stützend, vertreten sie die Auffassung, dass die Funktionen von Strukturen als Wellen ablaufen, die von den schwingenden Molekülen als Autoschwingungen (Eigenschwingungen) erzeugt werden. Im Rahmen der Rhythmushierarchie eines Organismus gehen diese Schwingungen kooperative Wechselwirkungen in Form kalibrierter Synchronisationen ein. Shabalin und Shaterkhina haben folglich ähnliche Auffassungen, wie sie z. B. von Cramer [1998] geäußert werden.

Bei der Beurteilung und Bewertung der morphoformen Strukturen mittels außerhalb des Körpers dehydrierten Flüssigkeiten (Blut, Urin, Lymphe, Galle, Tränen, Verdauungssäfte usw.) gehen die beiden Autoren davon aus, dass „die primäre Feldstruktur (gemeint ist die Rhythmusmatrix eines Organismus) Wellen von verschiedenen Frequenzen, Amplituden, Formen und Vektoren „darstellt“. Die sekundäre Feldstruktur wird durch den Gradienten der Dichte seiner Wellen bestimmt. Das Zunehmen der Dichte der energetischen Ladung des Rhythmusfelds eines Bioobjekts über das kritische Niveau hinaus überführt die „Materie“ Wellen aus dem „Feldzustand“ in den Zustand eines „Stoffs“ [Shabalin, Shatokhina 2001], d. h. in ein morphoformes Substrat. Die Stabilität der Autowellen (Eigenschwingungen) wird als Integralwert des Zustands der Homöostase zum Ausdruck gebracht.

Nachfolgend soll als ein Beispiel „Blutserum“ angeführt werden, anhand dessen die Stabilitätskriterien für die Homöostase erläutert und demonstriert werden sollen. Dabei wird methodisch wie folgt vorgegangen. Eine erste Probe des Serums wird unmittelbar nach der Entnahme mit der extrakorporalen Bearbeitung durch die Tropfendehydration beurteilt und eine zweite Probe 24 Stunden danach. Beide Proben werden verglichen. die Ergebnisse zeigen sich in vier verschiedenen Stabilitätszuständen der Homöostase der Körperflüssigkeit:

1. Physiologisch stabil
    Zwischen erster und 24-Stunden-Probe bestehen keine Unterschiede.

2. Physiologisch instabil
    Pathologische Veränderungen der ersten Probe, physiologischer Homöostasezustand der 24-
    Stunden-Probe.

3. Pathologisch stabil
    Erste Probe zeigt physiologisches Charakteristikum. 24-Stunden-Probe hat pathologische
    Veränderungen.

4. Pathologisch instabil
    Beide Proben zeigen pathologische Veränderungen.

In Abbildung 6 ist diese Klassifizierung an Beispielen dargestellt.

Abbildung 6:  Rhythmische, morphoforme Strukturen des Blutserums verschiedener
                     Stabilitätszustände der Homöostase dieser Körperflüssigkeit

                     links: Ausgangswert

                     rechts: 24-Stunden-Wert

                     von oben nach unten: Die vier Zustandsklassen (siehe Text)

Die pathologisch stabile Klasse korreliert mit Erkrankungen, z. B. der Bronchien, des Zwölffingerdarms, der Gallenblasenfunktion. Die pathologisch instabile Klasse korreliert mit schweren chronischen Erkrankungen, z. B. rheumatische Polyarthritis, Lupus erythematodes, Amyloidose der Niere.

Bestrahlung von Körperflüssigkeiten mit Magnetfeldern

In weiteren Untersuchungen prüften Shabalin und Shatokhina [2001] den Einfluss von turbulenten Magnetfeldern (5-6 kHz-Frequenzen) auf das Blutserum von Menschen. Das Blut wurde entnommen und in einer Retorte von zwei Seiten mit den turbulenten Magnetfeldern für die Dauer von drei Minuten bestrahlt. Von jeder Person wurden 10-12 Proben des dehydrierten Blutserums zur Analyse hergestellt (trockengehalten zwischen zwei Objektträgern). Eine Analyse wurde vor der Bestrahlung als Ausgangswert analysiert. Die weiteren Proben wurden unmittelbar nach der Bestrahlung sowie 1, 2, 3, 4, 6, 18 und 24 Stunden danach vorgenommen. Wenn es notwendig war, erfolgten weitere Analysen 48 und 72 Stunden später.

Hierbei wurden folgende Ergebnisse erzielt: Bei allen Untersuchten ist unmittelbar nach dem Magnetfeldeinfluss die rhythmisch morphoforme Struktur völlig gestört. Bei Gesunden tritt nach ca. vier Stunden wieder der normale physiologische Zustand auf. Bei Kranken der Stabilitätsklasse pathologisch stabil (Bronchien und Zwölffingerdarmerkrankungen) stellen sich Anzeichen von rhythmischen Strukturen erst nach 18-24 Stunden wieder ein. Die Kranken mit pathologisch instabilem Homöostasezustand zeigten 72 Stunden nach der EMF-Bestrahlung noch keine Anzeichen von Rhythmen.

Die Methode von Shabalin und Shatokhina [2001, 2000, 1996, 1995] scheint eine einfache und subtile Methode zur Bestimmung der Wirkung von elektromagnetischen Feldern zu sein. Die Veränderung der Rhythmik, auch der im morphoformen Zustand, ist offensichtlich ein empfindliches Kriterium für die Wirkung von Magnetfeldern auf den Menschen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich offensichtlich quantenmechanische Gesetzmäßigkeiten in biologischen Objekten nachweisen lassen, auch beim Menschen. Besonders wenn man davon ausgeht, dass jede Struktur aus Regelkreisen besteht.

Hier eröffnet sich ein wertvolles, interessantes Gebiet der Chronomedizin.

Literatur Kapitel 19

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