Literaturliste zur Umweltproblematik:

 

Die Zusammenstellung der Literatur-Empfehlungen ist naturgemäß subjektiv. Deswegen sind Portalbesucher mit Erweiterungswünschen herzlich eingeladen, mit einer Kurzbeschreibung versehene Beiträge einzureichen, damit sich die Liste entwickeln kann. Selbstverständlich sind auch Wünsche willkommen, die „nur“ nach bisher unbefriedigten Empfehlungen suchen.

 

 

Übersichts-Darstellungen:

 

[1]   D. Meadows, J. Randers, D. Meadows, „Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update. Signal zum

       Kurswechsel“, Hirzel, Stuttgart 2007.

[2]   Al Gore, „Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde“, Fischer TB, Frankf./Main 1994.

[3]   H. Gruhl, „Ein Planet wird geplündert“, Fischer TB, Frankf./Main 1978.

[4]   M. Müller, P. Hennicke, „Wohlstand durch Vermeiden. Mit der Ökologie aus der Krise“, Wiss.

       Buchgesell., Darmstadt 1994.

[5]   E.U.v.Weizsäcker, „Erdpolitik“, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 1992.

 

 

Spezial-Darstellungen:

 

[6]     E. Laszlo, „Das dritte Jahrtausend. Zukunftsvisionen“ , Suhrkamp Taschenbuch 2971, Frankf./M.

         1998.

[7]     E. Laszlo, „Macroshift. Die Herausforderung“, Insel Verlag, Frankf./M./Leipzig 2003.

[8]     S. Rahmstorf, H. J. Schellnhuber, „Der Klimawandel“, Verlag C.H.Beck, München 2006.

[9]     M. Müller, U. Fuentes,  H.Kohl (Hrsg.), „Der UN-Welt-Klimareport“, Bericht: Über eine aufhaltsame

         Katastrophe, KIWI, Köln 2007.

[10]   C.-D. Schönwiese, „ Klimatologie“,  UTB 1793, Ulmer, Stuttgart 1994.

[11]   H. Scheer, „Energieautonomie. Eine neue Politik erneuerbarer Energien“, Kunstmann, München

         2005.

[12]   S. Preuss, „Umweltkatastrophe Mensch. Über unsere Grenzen und Möglichkeiten ökologisch

         bewusst zu handeln“, Asanger Verlag, Heidelberg 1991.

[13]   D. Dörner, „Logik des Mißlingens“, Rowohlt-Verlag, Hamburg 1989.

[14]   R. Carsson, „Der stumme Frühling“, dtv, München 1987 (deutsche Erstausgabe: 1962).

[15]   J. Diamond, „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“, S.Fischer, Frankf./Main

         2005.

[16]   H. Gruhl, „Himmelfahrt ins Nichts. Der geplünderte Planet vor dem Ende“, Langen Müller, Müchen

         1992.

[17]   R. Bahro, „Logik der Rettung. Wer kann die Apokalypse aufhalten“, Edition Weitbrecht, Stuttgart

         1989.

[18]   Worldwatch Institute (Hrsg.), Zur Lage der Welt 2007. Der Planet der Städte“, Westfälisches

         Dampfboot, Münster 2007.

[19]   Reihe mit jährlichem Erscheinen: „Zur Lage der Welt ....“ Worldwatch Institute, Fischer Verlag

         1989 – 2002,

         Westfälisches Dampfboot, Münster 2003 – 2007.

[20]   Reihe mit jährlichem Erscheinen: „Jahrbuch Ökologie ....“, C.H. Beck, München 1992 – 2008.

 

 

K. D. Beck

 

 

Die Kurz-Beschreibungen  zu  den Übersichtsdarstellungen

 

 

[1] D. Meadows, J. Randers,  D. Meadows „Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update“ (2007;300S.)

 

Dieses Buch steht an 1. Stelle, weil ihm eine besondere historische Funktion zukommt:

1972 erschien die erste Auflage der „Grenzen des Wachstums“ von denselben Autoren. Diese damalige Veröffentlichung hat weltweite Diskussionen ausgelöst. Viele Leser konnten oder wollten sich nicht vorstellen, dass dem Wachstum der Menschheit und ihres Wirkens irgendwelche Grenzen gesetzt sein sollen.

 

 

1992 folgte eine Neuveröffentlichung zum Thema mit dem Rückblick auf die Ausgabe von 1972 und den ganzen nachfolgenden Diskussionen unter dem Titel „Beyond the limits“, weil einige Grenzen bereits überschritten waren und damit die früheren Aussagen bestätigt wurden. Ein nachhaltiges Wirtschaften war damit nur noch bedingt möglich.

Im neuesten Buch (Original aus 2004) konnte erneut zu den früheren Aussagen festgestellt werden: „Die Aussagen in den ‚Grenzen des Wachstums‘ sind nach wie vor richtig und inzwischen weitgehend Wirklichkeit geworden.“

Der „Zusammenbruch“ ist nicht mehr unvorstellbar. Es wurde 2002 ein weiteres Jahrzehnt vorausgesagt, bis zu dem die Grenzüberschreitungen, die sich bisher primär in Meßdaten äußerten, unübersehbar werden.

Die gegenwärtige Politik spielt mit der Gefahr des „Zusammenbruchs“, „weil wir uns nur unzureichend bemühen, die ökologischen Grenzen vorherzusehen und durch kompensatorische Maßnahmen in den Griff zu bekommen versuchen.“

Die Nach-Ausgaben fußen jeweils auf aktualisiertem Datenmaterial u. verbesserten Strukturen der gesellschaftlichen Entwicklungsdaten in den Simulationsmodellen, aus denen die weiteren Entwicklungen hochgerechnet wurden, jeweils mit qualitativ denselben Ergebnissen. Unterschiedlich sind nur die Geschwindigkeiten und Intensitäten der Ergebnisverläufe. Sie erlauben (trotz der prinzipiellen Ungenauigkeiten von Modell-Systemen) Ergebnis-Aussagen, die sich auch durch weitgehendes Verändern der Eingangsdaten nicht prinzipiell verändern lassen. Und sie haben vor allem den Vorteil, nicht auf das reale Eintreffen der Katastrophen warten zu müssen, sondern durch die Vorausberechnungen auch die Wirkungen von Kompensationsbemühungen überprüfen zu können, was die Chancen der erfolgreichen Abwendung der katastrophalen Entwicklungen wesentlich erhöht.. Nur wurden solche Ergebnisse bisher nicht in rechtzeitige politische „Bremsmaßnahmen“ umgesetzt (s.  z. B. Klima-Tagung 2007).

 

Unabhängig von dieser grundsätzlichen Bedeutung bietet das Buch aktuelle Sachstandsbeschreibungen zu allen wichtigen Einzelbereichen: Nahrung, Land, Boden, Wasser, Wälder, Arten und Ökosystemleistungen, fossile Brennstoffe, Materialressourcen, Schadstoffverbreitung, Abfall, ausführliche Geschichte des Ozonloches,  Technologie und Märkte in der realen Welt, insbesondere dem Erdölmarkt, Zerfall der Fischereiwirtschaft, Rüstung für den Übergang zur Nachhaltigkeit.

 

Aus den Computer-Modell-Simulationen mit „World3“ und seine Anwendungen  werden  14 verschiedene Szenarien  und ihre Ergebnisse beschrieben sowie deren Auswirkungen diskutiert.

Wer sich gründlich in die Umwelt-Problematik einlesen will, kommt um diesen Titel nicht herum!

 

 

[2]  Al Gore, „Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde“ (1994):

 

Ausgehend von vielen eigenen Erlebnissen in der Heimat (USA) und zahlreichen Besuchen an betroffenen Punkten der Erde (z. B. austrocknender Aralsee, Folgen des Ozonlochs im Antarktis-Eis, Korallensterben im Meer, Fisch- und Vogelsterben an vielen Punkten der Erde usw.), wo die menschengemachten Naturschäden unübersehbar sind, wo immer wieder die Wirkungen  menschlichen Tuns sogar Tausende von Kilometern entfernt auftraten (wie bei der Luftverschmutzung), beschreibt Al Gore die zahlreichen Folgen nicht ausreichend bedachten menschlichen Handelns. Daraus entwickelt er Strategien dafür, was dagegen zu tun ist. Seine Quintessenz:

Niemand verlasse sich auf die Politiker, sondern übernehme selbst Verantwortung, denn es ist auch jedermanns Tun, was zu den Schäden beiträgt.

 

 

K. D. Beck

 

 

[3]  H. Gruhl, „Ein Planet wird geplündert“ (1978; 350 S.):

 

„Es war und ist das Ziel des Buches, unser gegenwärtiges Zeitalter, welches ein materiell unvergleichlich erfolgreiches, aber geistig zurückgebliebenes der Menschheitsgeschichte ist, zu analysieren.“ Es beschränkt sich keineswegs auf den „Umweltschutz“, sondern greift all die wichtigen Weltprobleme auf, die heute zu „Überlebensproblemen“ geworden sind. (Das Buch ist von 1974 bis 78 entstanden!)

Gruhl: „Wir sind keine Untergangspropheten, sondern nüchterne Rechner, die das Denken noch nicht den Fachleuten überlassen haben – und wir besitzen eben nicht die Fähigkeit der Scharlatane, zu verschweigen, was nicht opportun erscheint.“

Ein Wertsystem, das der heutigen Menschheit ihre Lage beschert hat, wird gnadenlos an Hand der 1975 bis 78 vorliegenden Fakten auseinandergenommen und Wegemarkierungen für eine „Planetarische Wende“ erarbeitet. –

Ein hoch engagiertes, mitreißend und überzeugend geschriebenes Buch!

 

 

[4] M. Müller/P. Hennicke. „Wohlstand durch Vermeiden. Mit der Ökologie aus der Krise“,(1994;190   S.):

 

„Dieses Buch beschreibt die industrielle Entwicklungsfalle durch die Übersteigerung des Wachstums von Wirtschaft und Technik. Dadurch drohen die industriellen Produktivkräfte zu Destruktivkräften zu werden und in den Niedergang zu führen. Die Erkenntnis von den Grenzen des Wachstums ... holt uns heute mit harten Fakten ein: Die weitere Entwicklung der Welt stößt durch wachsende ökologische Unverträglichkeit und soziale Ungleichheit an Grenzen.“

Die entstandenen Umweltschäden führen zu immer höheren volkswirtschaftlichen Verlusten:

„In ökologischer Hinsicht sind die Industriestaaten längst bankrott, aber ökonomisch so stark, dass sie ihre privilegierte Weltmarktstellung auf Kosten der Natur, der Armen und zukünftiger Generationen behaupten können.“ „Diese Kolonisierung Dritter läßt sich nicht länger durchhalten.“ Die Klimaentwicklung demonstriert, wie aus lokalen Schäden globale Bedrohungen werden und weltweite Armutswanderungen sowie brisante Verteilungskonflikte verursachen.

 

Zur „Einleitung einer Wende“ wird für eine „Ökonomie des Vermeidens“ von Schäden an Mensch und Natur plädiert, um zu einem „ökologisch ausgerichteten Strukturwandel“ zu gelangen. „Der sparsame Umgang mit Energie und Rohstoffen muss sich für Produzenten und Konsumenten von Anfang an mehr lohnen als Verschwendung und Naturzerstörung.“ Anderenfalls bedroht die derzeitige Übertragung der bisherigen industriellen Wirtschaftsweise auf die Schwellenländer die Grundlagen der Zivilisation. „Unsere Produktionsweise und Lebensstile sind nicht zukunfts-verträglich.“ „Es ist höchste Zeit für eine Neuorientierung, statt an den Konzepten einer niedergehenden Epoche festzuhalten.“

 

 

[5]  E. U. v. Weizsäcker, „Erdpolitik“ (3. verbesserte und aktualisierte Auflage 1992; 265 S.):

 

„Erdpolitik“ hat die weltweite Umweltpolitik im Blick und es sich zur Aufgabe gemacht „einige der Widersprüche zwischen individuellen Wünschen, nationaler Politik und globaler Notwendigkeiten“ zu überbrücken. Entsprechend groß ist der Umfang der Themenfelder. Stichworte aus der reichhaltigen Behandlungsliste sind die bereits eingetretenen Umweltschäden wie Regenwaldvernichtung, Ozonloch, Treibhauseffekt, Boden- u. Gewässervergiftung aus Betrieben, Landwirtschaft und dem Mobilitätsverhalten, der Energieverschwendung, Bodenerosion, Wüstenbildung, Artensterben, Bevölkerungsdruck, Umweltflüchtlinge, usw.

 

Die Erde würde in 5 – 10 Jahren irreversibel zerstört, wenn 8 – 10 Mrd. Bewohner dem Entwicklungsmodell der Industriestaaten folgen wollten. Notwendige Ansätze für Politikänderungen werden diskutiert wie z. B. „ökologische Steuerreform“, „Effizienzwirtschaft“, „Kostentragung nach dem Verursacherprinzip“ bzw. die “Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen“, „naturverträgliches Wirtschaften“ an allen Fronten. Es wird darauf verwiesen, dass gründliche Analysen nahelegen, dass ein „Weg vom Verschwendungs-

wohlstand“ hin zur „Effizienzwirtschaft“ unter Vermeidung von Verschmutzungen, Vergiftungen, Rohstoff- u. Energieverschleiß und der Einsparung überflüssiger Folgekosten ineffizienten Wirtschaftens keine eigentliche „Wohlstandseinbuße“ mit sich bringen muss. Es sind „nur“ alle Politikfelder langsam zu „ökologisieren“, von der Raubbau-Mentalität ist Abschied zu nehmen.

 

 

K. D. Beck

 

 

Kurz-Beschreibungen zu den Spezial-Darstellungen

 

[6]  E. Laszlo: „Das dritte Jahrtausend. Zukunftsvisionen“ (1998; S. 9 – 135):

 

Die Einleitung des Verfassers verrät das Programm des Buches:

Wir leben in einer Welt, in der mit 6,5 Mrd. Menschen mehr als jemals zuvor leben, die immer mehr Bedürfnisse haben und mehr Forderungen stellen als jemals zuvor. Das Leben und Tun des größten Teils der Menschen ist heute geprägt vom „Informationsfluss, weltweite[r] Umweltprobleme, Globalisierung der Gesellschaft“. Das führt dazu, „dass sich die ersten Jahrzehnte des neuen Jahrtausends“ etwa genauso „von der Neuzeit unterscheiden wie die Neuzeit vom Mittelalter“.

 

„Das Leben unter diesen neuen Bedingungen erfordert völlig andere Denk- und Handlungsweisen.“ Darauf sind aber die Menschen nicht vorbereitet. „Dies ähnelt dem Versuch, mit dem Wissen eines Dorfbewohners aus dem Mittelalter in der heutigen Industriegesellschaft zu leben.“ Der Tempounterschied zwischen dem Leben in der postmodernen Welt und der zu langsamen Wahrnehmung und Reaktion eines Teils der

 

Gesellschaft auf diese Neuerungen stellen eine Gefahr für alle dar. Wenn 6 – 9 Mrd. Menschen so leben wollen wie die Menschen in den Industriestaaten, würden 2 weitere Erden zur Ausbeutung nötig sein. „Mit unserer jetzigen Lebensweise beeinflussen wir das Klima, senken den Grundwasserspiegel, verunreinigen die Gewässer, beuten fruchtbaren Boden aus, erschaffen Regionen großer Armut, die für die Umwelt ebenso zerstörerisch ist wie der Müll, den eine gedankenlose Überflussgesellschaft produziert.“

 

Um diese Probleme zu bewältigen, werden wir uns selbst, unsere Mitmenschen und die Natur neu sehen, neue Lebens- und Verhaltensweisen entwickeln müssen: Diese heißen u. a. „global denken, verantwortlich leben“, „Schaffung einer verantwortungsbewußten Unternehmenskultur“, „das Setzen hoher politischer Ziele eines jeden an sich selbst, und nicht auf die Politiker warten“, „eine umweltbewußte Haltung einnehmen“, „zur Regelung eines friedlichen Zusammenlebens zwischen den Völkern den Weg zum kooperativen Miteinander finden“.

Die Einzelheiten dieser Überlegungen und ihre Gründe werden im Buch ausführlich besprochen.

 

[7]  E. Laszlo: „Macroshift. Die Herausforderung“ (2003; 320 S.):

 

Im Einbandtext des Buches heißt es:

„Grundlegende Veränderungen hat es in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben, aber sie vollzogen sich schrittweise, über Jahrhunderte. Heute schrumpft die Umstellungszeit durch den technologischen Fortschritt auf eine Generation zusammen. Der Macroshift, der große Wandel, den wir heute erleben, schließt praktisch alle Lebensbereiche mit ein. Dabei sind die wirtschaftliche Globalisierung und die zunehmende Umweltverschmutzung nur zwei Aspekte.

Die Gesellschaft wächst insgesamt zu internationalen und interkulturellen Dimensionen heran und gelangt so zu einer Komplexität, die etablierte Institutionen, in ihrer Aufgabe zu regulieren, überlastet. Wir stehen vor zwei möglichen Szenarien: dem ‚Zusammenbruch‘, bei dem wir haltlos in Richtung Chaos und Zerstörung driften; und dem ‚Durchbruch‘, bei dem wir gemeinsam unser Denken transformieren und obsolete Vorstellungen aufgeben: Wir können nicht mehr nur unseren Nationalstaat als Fixpunkt unserer Zugehörigkeit ansehen, und wir müssen uns von der technologischen Maxime verabschieden, daß alles, was getan werden kann, auch getan werden sollte. Aber es gibt auch vieles, was jeder einzelne im täglichen Leben tun kann, um eine haltbare Zukunft zu schaffen – darüber gibt Laszlo detailliert Auskunft. Denn was wir benötigen, ist ein rascher Wandel unserer Denk- und Lebensgewohnheiten. Wir müssen zu einem planetarischen  Bewußtsein gelangen.“

 

Begriffliches Vorbild des „Macroshifts“ ist die „Bifurkation“ aus der „instabilen Thermodynamik“ und der „mathematischen Chaostheorie“. Sie beschreibt Vorgänge raschen und fundamentalen Wandels in komplexen Systemen, wo sich im Verlauf der Entwicklung der Weg gabelt. (Es sei an das „Feigenbaum-Diagramm“ erinnert! Siehe z.B. H.-O. Peitgen u. a. „Chaos. Bausteine der Ordnung“) Die Gabelung besagt, daß der bislang kontinuierliche evolutionäre Verlauf eines Systems sich in zwei Richtungen aufspaltet. Danach entwickelt sich das System anders - oder gar nicht mehr, denn das System könnte auch ganz verschwinden, indem es sich in seine individuell stabilen Einzelteile zersetzt.

Aus der Vielzahl der unterschiedlichen Bifurkationsarten in der Chaostheorie interessiert hier die »katastrophische Bifurkation«. Bei dieser kommen zu den relativ stabilen »punktuellen« und »periodischen« Attraktoren (sog. „Phasenraumpunkte“ in der nichtlinearen Physik) »chaotische« oder »fremde« Attraktoren hinzu. Sie tauchen plötzlich auf, sozusagen aus heiterem Himmel, treiben das System in einen überempfindlichen Zustand, den Chaoszustand. Dieser ist kein völlig ungeordneter Zufallszustand, sondern einer, wo unmeßbare winzige Verschiebungen meßbare makroskopische Wirkungen hervorrufen können.

 

Es wird vermutet, dass solche Strukturen Analogien für gesellschaftliche Entwicklungen sein können. Dazu wird ein 4-Phasen-Modell der Entwicklung der Menschheit vorgestellt, in dem wir uns jetzt  – auf der Basis einer Vielzahl inter-national zugänglicher Fakten – in der 3. Phase, der „kritischen Phase“, kurz vor der Weggabelung befinden.

 

K. D. Beck

 

 

[8]  S. Rahmstorf / H. J. Schellnhuber, „Der Klimawandel“ (2006; 135 TB-Seiten):

 

Zwei international führende Experten geben einen kompakten und verständlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand zum Thema: Welche Faktoren sind für unser Klima verantwortlich, wie kommt es zu dem weltweiten Klimawandel, welche der aktuellen Auswirkungen sind zu erwarten und welche Gegenmaßnahmen müßten ergriffen werden?

 

 

 

Dabei handelt es sich um eine auf das Wesentliche reduzierte Sachstandsanalyse mit allen wichtigen Fakten, einer historischen Replik zu den Ursachen der Klimaerwärmung und früheren Klimaverläufen. Die Gründe für die Zuverlässigkeit des heute durch das IPCC vertretenen Wissenstandes werden dargestellt. Hinweise für Verhaltensumstellungen im Umgang mit den Folgen und den Veränderungen runden das Bild ab.

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[9] UN-Klima-Report mit Beiträgen vieler deutscher Fachbeteiligter an der Arbeit des Weltklimabeirates  (2007; 410 TB-Seiten):

 

Authentischer Sachstandsbericht zum Thema, auf der Basis des 4. IPCC-Berichts („Weltklimabeirat“) von 2007 mit allen wesentlichen Daten, die den Klimawandel und seinen anthropogenen Charakter belegen. Es werden die Probleme bei der Berichtsfassung durch die Delegierten so vieler Länder mit höchst unterschiedlichen Interessen geschildert, sowie ökonomische und politische Konsequenzen dargestellt. Der Klimaschutzbericht  mit den drei Teilbereichen: 

 

a)  die wissenschaftlichen Grundlagen,

b) die sektoralen und regionalen Folgen,

c)  die politischen und ökonomischen Konsequenzen

 

wird analog gegliedert dargestellt.

Der Klimawandel wird als aufhaltsame Katastrophe beschrieben, die aber ein entschlosseneres Handeln voraussetzt:

Sie erfordert ein neues Denken, was in eine ökologische Modernisierung in Wirtschaft und Gesellschaft einmündet.

 

 

[10]  C.-D. Schönwiese „Klimatologie“ (1978; 400 TB-S.; Neuaufl. 2003):

 

Wer die Vorgehensweise der Klimatologie genauer verstehen will, sei auf dieses Buch von Schönwiese verwiesen. Es führt unter Beachtung  der vielfältigen interdisziplinären Bezüge in die naturwissenschaftlichen Grundlagen und modernen Aspekte der Klimatologie verständlich ein.

Das Buch verrät vor allem die vielen Vernetztheiten des Klimas mit dem ökologischen Gesamtsystem („Biozönose“) und den vielen Teilsystemen der Erde, die für die Klimaentwicklung mitverantwortlich sind. Es wird dabei deutlich, in wie vielen  Einzelmaßnahmen der Mensch meint - um vermeintlicher wirtschaftlicher Vorteile willen - Hand an die Teil-Systeme anlegen zu müssen, ohne die vielen Vernetzungen zu kennen und sich über die Tragweite seines Tuns nicht im mindesten im klaren zu sein. Es ist der Fluch des Spezialistentums, wenn die „Macher“ ungehindert in die vernetzten Systeme glauben eingreifen zu sollen und dann bestreiten, dass sie für die nicht vorausgesehenen Folgen die Verant-wortung zu tragen hätten. (Die Rechtsprechung ist in dieser Frage viel zu tolerant, was wohl auch eine Frage ihres eigenen juristischen Spezialistentums ist!)

 

 

[11] H. Scheer „Energieautonomie“ (2005; 300 S.):

 

Aus dem Einbandtext des Verlages:

„Die Erdölvorräte gehen zur Neige; Ressourcenkonflikte schüren die ‚neuen Kriege‘ unseres Jahrhunderts. Bei steigendem Energieverbrauch rast die Welt auf eine existentielle Krise zu.“

 

 

„Deshalb wird derzeit massiv für die ‚Renaissance der Atomenergie‘ mobil gemacht, versucht die Energieindustrie mit allen Mitteln, ihre Vormachtstellung zu zementieren. Ein Spiel mit dem Feuer, denn nur ein umfassender Wechsel zu erneuerbaren Energien kann die Weltenergieversorgung sichern. Warum fällt das Umdenken so schwer, mit welchen neuen Strategien und Technologien kann der Durchbruch gelingen?“

„Hermann Scheer beschreibt in seinem neuen Buch die vielfältigen mentalen Barrieren, die ‚Macht des tradierten Energiedenkens‘, zeigt aber auch, wie der Wechsel zu erneuerbaren Energien gelingen und unumkehrbar gemacht werden kann. Der archimedische Punkt dafür ist ‚Energieautonomie‘ – als vielfältig realisierbares politisches, technologisches und wirtschaftliches Konzept.“

„Energieautonomie ist nur mit erneuerbaren Energien realisierbar  - und kann sofort und überall ins Werk gesetzt werden: dezentral, individuell, mit unmittelbar spürbaren Folgen.“

„Die von Scheer entwickelte ‚neue Politik für erneuerbare Energien‘ führt die Energiediskussion aus dem geistigen Gefängnis des spezialisierten Energiedenkens heraus. Ein ideeller und praktischer Leitfaden für die längst fällige Energiewende.“

 

Lehrreich ist auch die ausgiebige Darstellung, mit welchen verlogenen argumentatorischen Mitteln die Größen der deutschen Energieindustrie gegen solche Neuerungsverlangen  auftreten. (Analog zu dem Auftreten von Vattenfall bei der Pannenserie der beiden Kernreaktoren im Norden Deutschlands in 2007.)

K. D. Beck

 

 

[12]  S. Preuss „Umweltkatastrophe Mensch“ (1991; 195 S.):

 

Ausgehend von der Überzeugung, dass rein technologische Rettungsversuche bei der Bekämpfung der Zerstörung unserer Lebensbedingungen zu kurz greifen, ist es notwendig, unsere Beweggründe für unsere Denk- u. Handlungsweisen zu verstehen. Folgende Fragestellungen werden in diesem Buch u. a. aufgeworfen:

  -  Weshalb zerstören wir fortwährend und inzwischen auch gegen unser besseres Wissen unsere

     Lebensgrundlagen, obwohl  wir doch alle überleben wollen?

  -  Was hindert die meisten Menschen, die Reichweite der Folgen ihres  zerstörerischen Tuns

     wahrzunehmen?

  -  Was hindert uns an der erfolgreichen Verhaltensänderung, wenn Erkenntnisse dazu vorhanden sind?

     Warum fühlen wir uns nicht betroffen, obwohl wir es doch im wörtlichen Sinne sind?

 

„Sämtliche bisherigen umweltvernichtenden Eingriffe sind auch Ausdruck unserer psychologischen Strukturen. Die uns eigene Psychologie beinhaltet eine spezifische innere Werthaltung, mit der entsprechenden  Weise des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens und Handelns. Unsere Weltsicht beruht auf einer dualistischen und anthropozentrischen Ideologie, die nach quantifizierender Herrschaft des menschliches Geistes über die Natur strebt. Mit dieser Allmachtsfunktion betreiben wir eine massive Zerstörungspolitik.“

„Das Niveau unserer inneren Einstellungen und Werthaltungen, unserer Verarbeitungsmöglichkeiten und Verhaltensbereitschaften setzt uns die inneren Grenzen, in denen wir agieren.“ „Erst eine psychologische Weiterentwicklung gewährt uns die Voraussetzungen für ein verändertes Handeln.“

 

Das Gewahrwerden des Ausmaßes der ökologischen Zerstörung führt viele an den Abgrund einer Erlebenskatastrophe mit massiven Betroffenheitsgefühlen. Daraus resultieren Angstzustände, narzistische Verhaltensstrategien mit Minderwertigkeitsgefühlen und kompensatorischen Abwehrhaltungen bis zur Vermeidung des Themas. Der real erlebten „Ohnmacht“ werden „Allmachtsvorstellungen“, d. h. „Größenideen“ zur fiktiven „Überlegenheit“ entgegengestellt.

 

Die Entwicklung präziser psychologischer Behandlungsmethoden verlangt die genaue Kenntnis unserer inneren  psych. Grenzen, um verbesserte Umgangsmöglichkeiten im ökologischen Gefüge zu erreichen. Das zielt auf die Weiterentwicklung von Wahrnehmen, Entwickeln von Bewertungskompetenz durch Schärfung des Umwelt(ge)wissens, emotionalem Verkraften und angemessenen Handlungsformen ab.

Dabei ist ein Übergang von der anthropozentrischen Weltsicht zu einer Ökoethik unerläßlich!

 

Auf der „Suche nach der Balance zwischen Abwehr und Bewältigung“ ist das ein nachdrücklich zu empfehlender Titel.

 

 

[13]  D. Dörner „Logik des Mißlingens“ (1989; 300 S.):

 

Die realistische Einschätzung einer aufkommenden Gefahr kann lebensrettend sein, wenn noch kompensatorische Maßnahmen möglich und erkennbar sind und sie rechtzeitig eingesetzt werden.

 

Häufig fehlt es jedoch an dieser realistischen Einschätzung der Gefahr, so dass sich die Frage nach den Ursachen stellt. (Von Bedeutung für manche zukünftige Umwelt-Entwicklung!)

 

Solche psychologischen Hintergründe menschlichen Reagierens, Planens, Urteilens und Entscheidens, die sich früher einer gründlichen Bearbeitung entzogen, lassen sich heute mit computersimuilierten Realitäten sichtbar machen.

Dadurch findet man leichter psychologische Determinanten solcher Prozesse – insbesondere im Umgang mit komplexen Systemen, die über Computerspiele simuliert werden.

Das Verhalten Einzelner oder von Gruppen bei der Bewältigung politischer, betriebswirtschaftlicher, wissenschaftlicher oder organisatorischer Anforderungen lassen sich damit ergründen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse vorbeugend auf praktische - auch alltägliche -  Prozesse anwenden. So wird

z. B. die situative Entwicklung unmittelbar vor der Tschernobyl-Katastrophe analysiert. Evolutiv entstandene und vererbte Beurteilungsmuster, wie: jedes zunehmende Verhalten als „lineares Verhalten“

 

 

einzuschätzen und sich damit in der Intensität und der Geschwindigkeit der Verhaltensänderungen des beurteilten System gründlich zu verschätzen. (Aktiencrashs gehören ebenso dazu.)

 

Es werden Fragen der „operativen Intelligenz“ besprochen, die jemand mitbringt an Wissen über den Einsatz seiner intellektuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten:

Man sollte lernen, seine intellektuellen Möglichkeiten - bei Beachtung der Umstände der Aufgabenstellung - besser zu nutzen, Erfahrungen aus dem Verhalten Einzelner oder von Gruppen in ungewohnten, mehr oder minder komplexen Situationen, analysierend zu sammeln und  daraus Schlußfolgerungen für das eigene zukünftige Verhalten in ähnlichen Situationen zu ziehen.

 

 

K. D. Beck

 

 

 

[14]  R. Carsson „Der stumme Frühling“ (1976; 300 S.; dt. Erstveröffentlichung 1962):

 

Aus dem Vorwort von Theo Löbsack (1962):

„Unsere Zivilisation droht zum Opfer ihrer eigenen Errungenschaften zu werden: Wir verpesten unsere Atemluft mit Abgasen, Rauch und Industriestaub; wir vergiften die Gewässer, wir verseuchen die Erde mit radioaktiven Strahlen. Und mit all dem benehmen wir uns unvernünftiger als jeder Vogel, dem es schwerlich einfiele, sein eigenes Nest zu beschmutzen.“

„Zu den Techniken des Menschen, das Gefüge der Natur zu stören, zählen auch die Pflanzenschutzmaßnahmen mit giftigen Chemikalien.“ Es ist das bleibende Verdienst der Biologin Rachel Carsson, sich als eine der ersten für die USA dieses Problems angenommen und die Erfahrungen über die Störungen der ökologischen Gefüge sowie der Gesundheitsfolgen bei Tier und Mensch eindringlich festgehalten zu haben.

 

Naheliegend, dass ihrer Buch-Veröffentlichung heftigste Kritik gefolgt ist, die ihr eine einseitige Sichtweise vorhielt, weil sie ganz den Nutzen der Schädlingsbekämpfung übersehe. Angesichts der heimtückischen Folgeschäden hat sie sich außerdem „erdreistet“, die Frage aufzuwerfen, ob chemische Gifte im Pflanzenschutz überhaupt geduldet werden sollten, wenn man sich die Folgen des Einsatzes von DDT, Chlordan, Dieldrin, Heptachlor, Endrin, organischen Phosphorinsektiziden wie E 605 u. a. ansieht  (später kamen noch aggressivere Mittel dazu, als sich Resistenzen bei einigen Schädlingen entwickelten).

Mit den sog. Schädlingen, die sich durch ihre Lebensäußerungen der hoch getriebenen Ertragsbedürfnissen  der Landwirtschaft „in den Weg stellten“, wurden stets viele andere Leben mitbetroffen. Die Benutzung der Insektizide in der Hand des landwirtschaftlichen Chemie-Laien bedeutete häufig eine unsachgemäße Überanwendung (mehr hilft mehr!), und nicht selten waren die Ausführenden von den Schäden selbst betroffen. 

 

Die Frühlingstille im Titel des Buches steht symbolisch für den vielfachen Tod bei  nicht mehr singenden Vögeln und den betroffenen Lebewesen in den Gewässern nach Anwendung der Pflanzenschutzmittel.

 

 

[15]  J. Diamond, „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ (2005; 650 S.):

 

Der Verfasser hat die vielseitigen Kenntnisse und Spurennachweise aus archäologischen, geographischen und ethnographischen Forschungen über vergangene Völker wie die Mayas, die Winkinger, die Bevölkerung der Osterinsel, die Anasazia (in den heutigen USA) und vieler weniger bekannter Völker aus allen Winkeln der Erde zusammengetragen, gleichgültig, ob sie überlebten oder untergingen.

Trotz widriger (werdender) Lebensbedingungen aus Klimaveränderungen, Raubbau an der Umwelt, (un)kontrollliertem Bevölkerungswachstum und politischen Fehleinschätzungen, ökologischer Selbstzerstörung, Selbstsucht und Machtwahn der Herrscher oder Bewahrung des ökologischen Gleichgewichts unter bewußter Zurücknahme der Lebens - Anforderungen, konnten manche Völker überleben, andere gingen in einem „Zusammenbruch“ als Extremform des Niedergangs

unter. Die eine Volksgruppe wurde von den Nachbarn erobert, niedergemacht oder eingemeindet, andere litten unter Versorgungseinbrüchen durch Dürre, Waldzerstörung, Bodenerosion, Fruchtbarkeitsverlust durch Vergiftung.

Der Vergleich mit heutigen Menschengruppen ist gewollt.

 

Besonders ausführlich werden die Hintergründe des Bürgerkrieges in Ruanda und Burundi  in den 90-iger Jahren beschrieben, bei denen die Fruchtbarkeitsrate bei 4,1 % lag, was eine Bevölkerungsverdopplung alle 17 Jahre bedeutete.

 

 

Nach 15 Jahren wirtschaftlichem Aufschwung traten eine Dürre und ökologische Probleme durch Bodenerosion und Waldzerstörung neben Preisverfällen auf dem internationalen Kaffee- und Teemarkt auf. Das putschte die früheren Auseinandersetzungen der beiden (teilweise familiär vermischten) Volksgruppen Hutu (85 %) und Tutsi (15 %) vor dem Hintergrund der schon länger dauernden Zwistigkeiten um die Vorherrschaft (durch eskalierende Vergeltungsangriffe) erneut auf. Vorteilsnahmen in der angespannten Grundversorgung  mit Nahrungsmitteln sowie weitere sich aufschaukelnde Streitigkeiten führten schließlich zu dem mörderischen Konflikt, wie er aus den Medien bekannt ist.

 

Von den 650 Seiten Umfang des Buches sollte sich niemand abschrecken lassen. Das Buch liest sich auch ausschnittweise mit Gewinn.

 

 

K. D. Beck

 

 

 

[16]  H. Gruhl, „Himmelfahrt ins Nichts“ (1992; 390 S.):

 

In einem historischen Aufriss fasst Gruhl (so die Redaktion des Verlages im Einbandtext) „mit der Präzision eines Historikers die modernen Kenntnisse der natürlichen Evolution zusammen, läßt ihnen die historische Evolution der Kulturen mit ihren Siegen und Niederlagen“, „phantastischen Leistungen und gräßlichen Irrtümern“ folgen. Eine besondere Rolle spielt dabei das durch die Euroamerikaner gestartete Zeitalter genialer Technik, mit dem die Grenzen der Natur mißachtet wurden. „Schon durchbricht die Menschenflut alle Dämme und wird in Kürze die Erde kahlfressen. Übermenschliche Fähigkeiten  maßten sich die ‚Gotteskinder‘ an, müssen aber nun erkennen, daß sie unfähig sind, die schrecklichen Folgen des wohlgemeinten Guten zu beherrschen. Himmlische Paradiese sollten erschlossen werden, doch es wird eine Fahrt ins Nichts daraus.“

 

Gruhl im Vorwort:

„Nichts läuft mehr so, wie es die letzten Jahrtausende ... im natürlichen Rhythmus des Himmels und der Erde verläßlich dahinging. Die Ereignisse haben ein rasendes Tempo und eine globale Gleichzeitigkeit angenommen, in deren Wirbel alle besinnungslos gerissen werden. Nur einzelne gewinnen soviel Abstand, um das Geschehen noch überschauend zu begreifen.“

„Wir erleben zur Zeit das faszinierende Schauspiel, wie eine Art von Lebewesen – unsere eigene – die kosmische Tragödie ihres Untergangs inszeniert. Die Einleitung meines Buches ‚Ein Planet wird geplündert‘ schloß ich 1975 mit den Worten des Dichters Eugène Ionescu: ‚Ich bin ein Mensch unter drei Milliarden Menschen. Wie kann da meine Stimme gehört werden? Ich predige in einer übervölkerten Wüste. Weder ich noch andere können einen Ausweg finden. Ich glaube, es gibt keinen Ausweg.‘ ... Danach habe ich 15 Jahre nach Auswegen gesucht und wohl um die tausend Vorschläge von Zeitgenossen überprüft, die solche gefunden zu haben vorgaben oder auch nur vortäuschten. Alle griffen zu kurz, erwiesen sich als einseitig und verkannten außerdem die Schwierigkeiten jeder politischen Umsetzung.“ ... „Doch fast nichts davon wurde politisch aufgegriffen. Alles blieb so folgenlos wie gelesene Romane und Gedichte.“

Und: „... während einige wenige über die Altlasten diskutieren, schaffen Milliarden Menschen Tag für Tag Neulasten und jubeln darüber.“

„Eine Umkehr müßte frühzeitig in die Wege geleitet werden, wenn die Gegenmaßnahmen überhaupt noch Aussicht auf Erfolg haben sollen.“ Offensichtlich scheint der Selbsterhaltungstrieb in globaler Sicht nicht zu funktionieren!

Diese Fragen zu ergründen, wird zum Gegenstand des weiteren Buches.

Hier handelt es sich um eine der wenigen Buchveröffentlichungen, in der schon früh Abstand von einer „Beruhigungs-Rhetorik“ genommen, stattdessen ungeschminkt Klartext geredet wird.

 

 

 

[17]  R. Bahro „Die Logik der Rettung“ (1988; 495 S.):

 

Aus dem Vorwort des Verfassers:

„Laßt uns darüber nachdenken, wie wir uns von der Großen Maschine [= moderne Industriegesellschaft] nähren, wärmen, bilden, und gesund erhalten können. Beginnen wir daran zu arbeiten, ehe sie sich vollhals durchgesteuert, vergiftet, erstickt und eher früher als später atomar vernichtet hat.“

„Indem wir Umwelt sagen, wollen wir außen etwas ändern, wollen dem Äußeren etwas Erdursächliches zuschieben, welches in Wirklichkeit in uns liegt.“

„Daß nun die Umweltschutzidee Gemeingut geworden ist, blockiert zunächst sogar das ökologische Denken, weil Ökologie und Umweltschutz verwechselt werden.

 

Die Gesellschaft wird wieder ein paar Jahre brauchen, um zu erleben: Umweltschutz, Umweltschonung und was der schönen Worte mehr sind, dienen bloß als Ausputzpflastersteine für den breiten Weg zur Hölle, nicht etwa der Wiederversöhnung mit der Erde.“

„Das Buch verfolgt nicht das Ziel über ökologische Politik zu sprechen, sondern über ihre Grundlagen, ihren Zusammenhang, die Verwurzelung der Katastrophe wie der möglichen Rettung im menschlichen Wesen. Wir müssen die Logik der Selbstausrottung zurückverfolgen bis ins menschliche Herz, weil auch nur von dort die Logik der Rettung ihren Ausgang nehmen kann.“

„Wenn wir jetzt sehen, daß unser Dasein als denkendes Wesen vor allem Störung der Weltharmonie der Naturgleichgewichte hervorruft, so kann das keine andere Ursache als die Verwirrung unseres eigenen Geistes und Herzens haben.“

Wir müssen bereit sein, „alles loszulassen, auch unsere Schätze, vor allem das Geldmachen und die Wissenschaft, die allem zugrunde liegen, aber auch diese bestimmte Art von verteilungskämpferischer Demokratie.“ „Und die Logik der Rettung endet damit, daß wir unseren höchsten Schatz preisgeben, den Doktor Faustus in uns ..., der jeden Tag bereit ist, den Teufelspakt zu erneuern.“

Zwar haben „Umweltschutzmaßnahmen, wenigstens verbal, Konjunktur, eine ökologische Reformation an Haupt und Gliedern hat sie noch nicht."

„Für die Logik der Rettung brauchen wir wieder Zugang zu den älteren Weisheiten der Menschheit.“ „Die Wahrheit über uns selbst zu suchen, [ist] die wichtigste Disziplin.“

Also geht es Bahro in seinem Buch „zunächst um Erkenntnis, nicht vorschnell um das nächste Aktionsprogramm“.

 

K. D. Beck

 

 

[18]  Worldwide Watch Institute „Zur Lage der Welt 2007. Der Planet der Städte“ (2007; 330 S.)

 

Die Träger des Worldwide Watch Institute haben ihren Band „Zur Lage der Welt 2007“ ausschließlich dem Thema der Urbanisierung der Erde gewidmet. Im Laufe des Jahres 2007 hat die Zahl der in Städten bzw. „urbanen Ballungsräumen“ (Mega-Citys mit bis zu 50 Mio. Einwohnern) wohnenden Menschen die 50%-Marke überschritten.

Damit hängen eine Reihe problematischer Entwicklungen zusammen wie:

Entwicklung von Slums, wenn eine Stadtentwicklung nicht funktioniert o. existiert, (in der Mehrheit in Asien, Afrika u. Lateinamerika); nicht ausreichende Wasserversorgung und sanitäre Anlagen, zunehmende Armut, Kriminalität, Gewalt, überbordender Verkehr, Luftverschmutzung, unzulängliche Abfallbeseitigung, Abwasser-Kloaken, daraus resultierende Krankheiten, nicht ausreichende Gesundheitsversorgung, Verbrauch riesiger Flächen für die Nahrungsmittel- und Energieversorgung.

 

Andererseits sind Städte Motor der Wirtschaft, sozialer Schmelztiegel und Bühne des geistigen und kulturellen Lebens. Nirgendwo sonst gibt es ein so reichhaltiges Angebot an wohnortnahen Dienstleistungen.

Der Klimawandel wiederum ist ebenfalls ein Produkt der Städte mit ihrem exorbitanten Energieverbrauch. Besonders bedroht sind die vom Anstieg des Meeresspiegel bedrohten Küstenstädte. 

Die Darstellungen verschiedener Autoren betreffen die eingehende Analyse der Entwicklungstrends der Urbanisierung, Beispielbeschreibungen für hoffnungsvolle Selbsthilfeansätze (z. B. Aufbau  einer Stadt mit reiner Solarenergie-Versorgung in China, Fluss-Management in Jakarta, ...), weitere Gefahrensmomente ökologischer Katastrophen wie bei Erdbeben und flussnahen Lagen u. ä.,  Risiko-Management, die Organisation weltweiten Erfahrungsaustauschs.

Bis 2050 wird hochgerechnet, dass 2/3 der Menschheit (= 6 Mrd.) in Städten leben. Folglich ist zu erwarten, dass die Mehrheit zukünftiger Probleme aus den Städten kommen.

 

 

[19]  Jährliche Reihe des Worldwide Watch Institute: „Zur Lage der Welt ....“

 

Laut Eigendarstellung des Bandes von 1990 wurde „das Worldwatch Institute 1975 mit Sitz in Washington D.C./USA als unabhängige, gemeinnützige Institution gegründet. Es vermittelt Informationen für Entscheidungsträger und die interessierte Öffentlichkeit über die Zusammenhänge zwischen der Weltwirtschaft und den einzelnen ökologischen Systemen. Die Wissenschaftler dieses Institutes verfolgen und untersuchen diese Prozesse aus globaler Perspektive und in einem interdisziplinären Rahmen. In über 100 Einzelpublikationen [bis 1990] wurden solche Themen abgehandelt. Diese Studien wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Der erste Bericht ‚Zur Lage der Welt‘ wurde 1984 in den USA veröffentlicht.“  Diese Berichte wurden inzwischen zu einer der wichtigsten Informationsquellen zu diesem Thema.

 

 

 

Seit 2000 sind die deutschen Übersetzungen jeweils um einen Beitrag von Germanwatch und seit 2003 zusätzlich vom Heinrich-Böll-Institut erweitert, die inzwischen beide als Mitherausgeber verzeichnet sind. Die deutsche Ausgabe erscheint alljährlich im Mai.

 

Das erklärte Ziel der Veröffentlichungen ist ein leicht erhältliches, jährlich erscheinendes Nachschlagewerk mit Schlüsselzahlen bzw. – informationen zu bestimmten Fragestellungen und Trends. Man erhofft sich, dass Interessenten in aller Welt darauf zurückgreifen und die Entwicklungen verfolgen können, die unsere Lebensumwelt prägen.

 

 

[20] Jährliche Reihe des „Jahrbuch Ökologie ....“ des Verlages C. H. Beck:

 

Herausgeber: Günter Altner, Barbara Mettler von Meiboom, Udo E. Simonis, Ernst U. von Weizsäcker.

 

Ein Beirat von ca. 20 Mitgliedern in Zusammenarbeit mit einer Reihe von in jedem Band genannten umweltengagierten Institutionen tragen für den Inhalt Verantwortung, der erklärtermaßen

 

 

K. D. Beck