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Politik im digitalen Tiefschlaf

Hesse, Sonntag, 07. Januar 2018, 14:24 (vor 256 Tagen)

Quelle:
KONTEXT
Wochenendzeitung
13.12.2017

Politik im digitalen Tiefschlaf

Auszug:

Stell Dir vor, immer mehr Computer und Automaten machen Deine Arbeit, und keinen interessiert's. Tatsächlich schreitet die Digitalisierung rasant voran. Während autonomes Fahren Taxichauffeure und Busfahrer bald arbeitslos machen könnte, träumen Politiker vom "Breitband für alle". […]

"Christian Lindner hat die Partei wieder aufgerichtet", jubelte die "FAZ". "Pathos, Ethos, Logos", titelte die "taz". Während Kanzlerin und Kanzlerkandidat als Schlaftabletten durch den Bundestagswahlkampf taumelten, machte der FDP-Chef einen auf Polit-Hipster. Und besetzte hippe Themen, wie etwa: Digitalisierung. "Sie kann unser Leben einfacher, besser und sicherer machen. Und sie birgt die Chance, einen erheblichen Beitrag zur Sicherung unseres Wohlstands in der Zukunft zu leisten", warb Lindner und forderte einen "Weltmeisterplan", um Deutschland zur führenden Digitalnation zu machen. Kurzum: "Digital first. Bedenken second", so stand es auf FDP-Plakaten.

…Ein Slogan, der für ätzende Reaktionen sorgte. "Leider ist der Spruch extrem dumm", kritisierte etwa der WDR-Journalist Jörg Schieb. "Wer derart platt der Digitalisierung an sich das Wort redet, belegt, dass er genauso viel von der Sache versteht wie alle, die technische Innovationen reflexartig ablehnen. Nämlich: Nichts", so der Netzexperte. Wolle die FDP also alles angehen und anschieben, was den Stempel "Digital" hat oder bekommt? Sei Digital an sich also gut?, fragte sich Schieb auf seinem Blog. Doch das sei nicht nur schief gedacht, sondern sogar äußerst gefährlich: "Denn die Kernbotschaft, das wichtigste Ziel der meisten Start-Ups (vor allem aus den USA) ist: Disruption. Also per Definition die Zerstörung einer kompletten Branche, einer bestehenden Dienstleistung, einer existierenden Technologie."

…Tatsächlich rechnen Wissenschaftler und Ökonomen damit, dass die Digitalisierung nicht nur neue Arbeitsplätze schafft, sondern auch viele etablierte Jobs vernichtet. Nur in welchem Tempo und Umfang, da stochern die Experten meist im Nebel. Computer und Maschinen werden in Zukunft 40 Prozent aller heutigen beruflichen Tätigkeiten in Deutschland verrichten können, prognostiziert etwa eine im November erschienene Studie von The Boston Consulting Group (BCG). Das bedeute, dass bis zum Jahr 2025 die Stellen von 7,7 Millionen Beschäftigten von Automatisierung betroffen sind. Sprich: jeder fünfte Arbeitnehmer muss um seinen Job bangen. Laut Studie träfe es nicht nur Geringqualifizierte: Mehr als 60 Prozent der Betroffenen sind Fachkräfte, heißt es in der BCG-Analyse "Schöne neue Arbeitswelt 4.0? Was wir tun müssen, damit uns die Arbeit nicht ausgeht".

…Fachkräfte – die Verlierer der digitalen Revolution

Noch dicker kommt es laut McKinsey: Bis 2030 müssen sich hierzulande bis zu zwölf Millionen Beschäftigte, also fast ein Drittel aller Arbeitskräfte, einen neuen Job suchen, heißt es in einer vor wenigen Tagen erschienenen Schrift des Beratungskonzerns. Nahezu ein Viertel der Arbeitsstunden, die dann voraussichtlich in Deutschland geleistet werden, könnten durch Automatisierung wegfallen, schätzen die McKinsey-Experten.[…]

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Politik im digitalen Tiefschlaf

Eva Weber, Sonntag, 07. Januar 2018, 16:36 (vor 256 Tagen) @ Hesse
bearbeitet von Eva Weber, Sonntag, 07. Januar 2018, 17:13

Als erstes war es nötig, die gesundheitlichen Auswirkungen der Digitalisierung durch nicht ionisierende Strahlung, gepulste elektromagnetische Felder, sozusagen aus der Welt zu schaffen bzw. einfach nicht "zuzulassen". Dies gelang nun erfolgreich in den letzten Jahren und wird weiter gelingen, indem Studien, die etwas ergeben haben, öffentlich z.B. von Prof. A. Lerchl als Mumpitz bezeichnet werden.

Zu erinnern sei an seine eigene Replikation der Tillmann-Studie, Fraunhofer Institut, an Krebsmäusen, die Krebspromotion bei Befeldung mit UMTS ergeben hat. Leber- und Lungenkrebs sowie Lymphome. Das Erstaunliche: Unter den angeblich so sicheren Grenzwerten.

http://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/ergebnisse/hff-tumorfoerderung/hff-tumo...

Das Ganze ist vom Bundesamt für Strahlenschutz sehr lesenswert dargestellt. Erstaunlich ist der Bezug zu Helicobacter bei Leberkrebs-Promotion, der doch eher für Magenkrebs zuständig ist. Für Lungenkrebs und Lymphome ist er wohl nicht verantwortlich.

Am Schluss des BfS-Eintrags:

"Zur Ableitung von Grenzwerten können die Ergebnisse nicht herangezogen werden. Sie stützen aber die Empfehlungen des BfS zur Minimierung der Exposition gegenüber hochfrequenten EMF."

An wen wendet sich das BfS eigentlich mit seiner Empfehlung "Minimierung der Exposition gegenüber hochfrequenten EMF"? Ich sehe es eher als eine Alibi-Aussage, denn ansonsten wäre diese Aussage eher zum Totlachen. Ich kenne zumindest keinen der Verantwortlichen, der sich diese Empfehlung zu Gemüte führt. Auch ist mir in letzter Zeit kein Zeitungsartikel bekannt geworden, der, gemäß dem BfS, ernsthaft von Minimierung von EMF spricht. WLAN überall, kein Ort darf ohne sein. Masten aufrüsten. Smart Home. Der endgültige Eingriff gezwungenermaßen steht noch bevor. Smart Meter! Alles und jedes muss man digital in den Griff bekommen, auch den Menschen.

Und so wird es weitergehen, damit man zuversichtlich und vertrauensvoll in die Zukunft schreiten kann. Was da auf die Menschheit auĂźerdem noch zukommt, neben dem Verlust des Arbeitsplatzes, ist zumindest derzeit von Null Interesse, getreu dem Motto: Digital first, Bedenken second.

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